Montag, 15. Mai 2017

Rezension: "A Court of Wings and Ruin" von Sarah J. Maas

Heute im Zug habe ich "A Court of Wings and Ruin" zu Ende gelesen. Und jetzt weiß ich nicht, wohin mit meinen Gedanken – hierher. So lange habe ich auf das Finale der "A Court of Thorns and Roses"-Trilogie (dt. "Das Reich der sieben Höfe") gewartet und dann geht es wieder so schnell vorbei. Dabei habe ich versucht, mich beim Lesen zurückzuhalten. Aber es war einfach SO gut – allerdings so gut wie der geniale zweite Band "A Court of Mist and Fury"? Hm, wir werden sehen.

"Night Triumphant – and the Stars Eternal. If he was the sweet, terrifying darkness, I was the glittering light that only his shadows could make clear."

Quelle: Jessica Iser

Story


Da es sich bereits um den dritten und letzten Band der Reihe handelt, kann diese Rezension und vor allem die Zusammenfassung Spoiler enthalten. Lest daher nur auf eigene Gefahr weiter. ;)

Nachdem Feyre im letzten Band gezwungenermaßen mit Tamlin zurück zum Spring Court musste, versucht sie nun, dessen Allianz mit dem König von Hybern zu untergraben. Denn eine zerstörerische Schlacht um Prythian mitsamt dem Reich der Menschen steht bevor. Feyre und ihr Gefährte Rhysand setzen alles daran, um dem übermächtigen König von Hybern die Stirn zu bieten. Doch dafür müssen sie sich mit den anderen High Lords von Prythian verbünden – ob das gut geht?

Charaktere


Ich glaube, Charaktere und deren Entwicklung sind Sarah J. Maas besondere Stärke. Sie schafft es wirklich immer wieder, wundervolle Helden und hassenswerte Personen zu erschaffen, die alle ihre ganz eigene Persönlichkeit haben. Ich werde eine Reihe der wichtigsten Protagonisten einfach einzeln abhandeln, da so gut wie jeder nennenswert ist und dieses Buch zu dem macht, was es ist.

Feyre: Aus ihrer Sicht wird die Geschichte von Anfang an erzählt und es ist toll zu lesen, welche Entwicklung sie durchgemacht hat – vom verliebten Menschenmädchen zur starken High Fae. Es war eine großartige Reise mit ihr. Schön fand ich übrigens auch, dass ihre einstige Leidenschaft, das Malen, noch immer thematisiert wird, indem Feyre gewisse Szenen so beschreibt, wie sie sie malen würde. Das Gefühl kenne ich nämlich auch.

Rhysand: Tja, was soll ich sagen. Rhys, der High Lord vom Night Court, ist sicher nicht nur mein Lieblingscharakter. Ich glaube, es gibt nichts Negatives über ihn zu sagen. Der zu Beginn vermeintlich böse Finsterling ist einer der aufopferndsten Charaktere in diesem Buch. Er entscheidet zudem nie über Feyre hinweg – sie ist ihm ebenbürtig. Dass er sie und seine Familie über alles liebt, wird auch im letzten Band mal wieder deutlich.

Amren: Das bluttrinkende Monster im zierlichen Menschenkörper, das sehr kratzbürstig wird, wenn es Hunger hat. Amren ist einfach eine Bereicherung! Sie und Nesta haben tolle Momente miteinander – ich hätte gerne noch mehr davon gelesen.

Mor: Sie ist eine lebenslustige Freundin, wie sie im Buche steht, aber auch eine beinharte Kriegerin, wenn es sein muss. Sarah J. Maas setzt im Finale noch einen drauf und verrät uns Mors lang gehütetes Geheimnis ...

Azriel: Der Shadowsinger ist schweigsam und meist eher im Hintergrund. Aber er ist zutiefst loyal – und liebt Mor, obwohl sie scheinbar Angst davor hat, ihm eine Chance zu geben. Seine Verbindung zu Elain war sehr liebevoll und ich fand, die beiden haben sich gut ergänzt.

Cassian: Wenn jemand für Späße und Ärger sorgt, dann der Krieger Cassian. In diesem Band stach er aber besonders durch seine Beziehung zu Nesta hervor. Dass er etwas für sie empfindet war bereits im letzten Band klar. Aber wie sieht es eigentlich anders herum aus? Fest steht: Die beiden hatten zusammen einige der schönsten Szenen im Buch.

Nesta: Nach ihrer Verwandlung vom Menschen in eine High Fae ist Feyres ältere Schwester Nesta noch grimmiger als zuvor (und das will etwas heißen). Trotzdem ist sie einfach toll. Sie erhält eine sehr tragende Rolle in diesem finalen Band und ihre Szenen mit Cassian sind wie gesagt klasse.

Elain: Feyres jüngere Schwester Elain verkraftet die Verwandlung in eine High Fae nicht so gut, immerhin sieht ihr menschlicher Verlobter Graysen alle Fae als Feinde. Sie scheint zunächst nur verwirrt und in sich gekehrt, bis ihre hellseherische Gabe offensichtlich wird. Und dann ist da ja auch noch ihre Verbindung zu Lucien ...

Lucien: Ich mag Lucien wirklich gerne, er ist schon von Anfang an einer meiner Favoriten gewesen. Das bestätigt sich auch in "A Court of Wings and Ruin" wieder. Leider glänzt er in diesem Buch vor allem durch Abwesenheit – zwar aus gutem Grund, aber schade ist es trotzdem. Ich hätte mir mehr Szenen mit ihm gewünscht, besonders was Elain betrifft.

Tamlin: Er war ja zu Beginn einer der Hauptcharaktere, schließlich hatte sich Feyre in ihn verliebt und sollte ihn heiraten. Bis ... tja, bis zu seiner wahnhaften, unterdrückenden Obsession mit Feyre, für die er sogar eine Allianz mit dem bösartigen König von Hybern eingegangen ist. Aber ist es wirklich so einfach? Hm. Ich habe ihn stellenweise wirklich gehasst. Er tat mir manchmal aber auch ein bisschen leid und so bin ich insgesamt froh, wie seine Geschichte ausgegangen ist – welche Rolle er in zwei wichtigen Szenen spielte.

Ich könnte jetzt noch unzählige weitere Charaktere aufzählen, aber dann würden wir morgen noch hier sitzen. Neben Altbekannten wie der Suriel, dem Bone Carver und dem Weaver of the Woods (tut mir leid, ich weiß leider nicht, wie sie auf Deutsch heißen und lasse saloppe Übersetzungen jetzt einfach mal sein), treten auch neue Charaktere, unter anderem in Form der restlichen High Lords in Erscheinung. Lasst euch gesagt sein, dass Sarah J. Maas im letzten Band nochmal einige tolle Personen und Twists für den einen oder anderen aus ihrem magischen Autorenärmel schüttelt.

Schreibstil


Kaum hatte ich angefangen zu lesen, hatte mich Sarah J. Maas wieder in ihre Geschichte hineingesogen. Ihr Stil liest sich wunderbar flüssig, ihre Metaphern sind toll. Positiv hervorheben möchte ich auch die für mich optimale Länge ihrer Kapitel. Sie sind relativ kurz, halten dadurch aber den Spannungsbogen immer oben und ich habe nie das Gefühl, dass ich erst einmal eine Pause brauche oder überhaupt aufhören kann.

Aber – und hier kommen meine wenigen Kritikpunkte – die Anzahl an nicht versvollständigten Sätzen, die mit Punkten und Gedankenstrichen enden, empfand ich ab einem gewissen Punkt als etwas störend. Klar, einerseits verdeutlichen sie Gedankengänge, die Feyre in ihrer Erzählung nicht zu Ende führt und bis zu einem gewissen Grad erzeugt dieser Stil auch Spannung. Aber für mein Empfinden hat die Autorin es damit in diesem Band ein wenig überstrapaziert.
Es gab außerdem wieder einige Sexszenen – ist man von ihr ja mittlerweile gewohnt. Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts dagegen. Aber ich finde, ein paar hätte man hier auch streichen können und trotzdem wäre Feyres und Rhysands leidenschaftliche Liebe noch genauso stark rübergekommen. Insgesamt hat es mich aber auch nicht ungemein gestört.

Besonders positiv hervorheben möchte ich noch, wie Sarah J. Maas ihren Lesern mit Hilfe ihrer Charaktere immer wieder Mut macht. Es gibt gebrochene Charaktere, die physisch und psychisch misshandelt wurden, es gibt bi- und homosexuelle Charaktere und allen voran Feyre, die sich vom unterdrückten Mädchen aus ihrer zerstörerischen Beziehung zu Tamlin löst und endlich zur selbstbestimmten Frau wird, die dennoch fähig ist, von ganzem Herzen zu lieben. Die Autorin vermittelt einem zwischen den Zeilen wunderbare Werte und vor allem, für das einzustehen, was man liebt. Das ist das, was den "Court of Dreams" ausmacht.

Lesevergnügen


Bevor ich hier nun noch ewig weiter schwafele, ziehe ich langsam einen Schlussstrich. Das Buch war eine gelungene Kombination aus magischen Szenen, wunderbaren Charakteren, tiefgehender Liebe sowie blutigen Kämpfen. Die finale Schlacht hatte es noch einmal in sich. Nicht nur einmal ist beim Lesen Herzstillstand angesagt.
Und auch das Ende habe ich einerseits geliebt, wie ich es nicht anders erwartet habe, aber andererseits gab es einige offene Erzählstränge, die noch einiges an Potential gehabt hätten; Stichworte: Helion, Lucien und Elain, Cassian und Nesta, die Fae und die Menschen. Ich hoffe, dass wir darauf eines Tages noch die eine oder andere Antwort erhalten werden. Denn die Geschichte um Feyre und Rhysand ist zwar mit "A Court of Wings and Ruin" abgeschlossen, aber es soll 2018 mit weiteren Büchern in Prythian weitergehen. Zu welcher Zeit diese spielen und ob es mit vollkommen neuen Charakteren weitergehen wird, bleibt wohl abzuwarten. Aber ich könnte mir vorstellen, dass der eine oder andere einen Gastauftritt haben und es vielleicht darum gehen wird, ob die Fae nun einen neuen Wall zwischen sich und den Menschen erbauen oder nicht. Ich freue mich so oder so darauf, noch einmal in diese Welt zurückzukehren.

Fazit: Abschließend bleibt mir eigentlich nichts anderes übrig, als die volle Punktzahl zu vergeben. Die wenigen Kritikpunkte, die ich habe, wiegen nicht schwer genug auf, um mein Lesevergnügen zu schmälern. Verglichen mit den meisten anderen Büchern, hat mich jeder Band dieser Reihe einfach umgehauen. Und um meine Ausgangsfrage zu beantworten: Nein, "A Court of Wings and Ruin" ist nicht besser als "A Court of Mist and Fury". Vielleicht auch nicht schlechter, aber der zweite Band wird einfach immer einen ganz besonderen Platz in meinem Bücherregal einnehmen. Und in meinem Herzen.

Liebste Grüße







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